Die alten Wasserläufe Südtirols

Für das sonnige Südtirol ist ein trockenes Klima mit geringen Niederschlägen vor allem im Sommer typisch. Damit es nicht zu Dürreperioden kommt, erbauten die Bauern in früherer Zeit sogenannte Waale. Dabei handelt es sich um künstlich angelegte Kanäle, welche zur Bewässerung der Felder und Obstplantagen dienten, da es im Vinschgau und Burggrafenamt schon seit jeher den Apfelanbau, Weinreben und Erdbeerfelder gibt.

Einige dieser Waale gehen auf das 12. Jahrhundert zurück, sind kilometerlang und werden zum Teil auch heute noch genutzt. Sie stellen eine typische Charakteristik für unser Land und somit ein erhaltenswertes Kulturgut dar. Die vor Jahrhunderten angelegten Waale führen Wasser aus höheren Tallagen in die tiefer gelegenen Talebenen.

IMG_20160919_184350-bDa dieser Wasserfluss auch kontrolliert werden musste, entstand ein neuer Beruf, der sogenannte Waaler (=Wasserhüter). Er war der Verwalter und Wahrer der Waale und kontrollierte die gerechte Verteilung des Wassers, die sogenannten „Roaden“. Dabei handelt es sich um Wasserstunden, also jene Zeit die einem Bauer zur Verfügung stand, um eine bestimmte Wassermenge aus dem Waal zu seinen Wiesen und Feldern zu leiten. Um die Wartung und Kontrolle der Waale zu übernehmen, wurden die sogenannten Waalwege angelegt.

Heute dienen die Waalwege gemütlichen Spaziergängen und kleinen Wanderungen, bei denen man einen grandiosen Fernblick auf die faszinierenden Gebirgsketten, sowie auf die umliegende Landschaft, die kleinen Dörfer und oft sogar auf das gesamte Tal genießen darf. Das Wandern entlang der alten Wasserläufe ist sehr idyllisch. Sie können dem Rauschen und Plätschern des Wassers lauschen und stets neue Eindrücke gewinnen.

An manchen Stellen finden Sie eine Waalschelle. Diese wird durch ein Wasserrad angetrieben und dient der Kontrolle des gleichmäßigen Wasserflusses. Wird der Waal zum Beispiel durch eine Mure oder einen Steinschlag unterbrochen, erklingt die Waalschelle nicht mehr. Hierzu finden Sie an den Häusern der Waaler ein altes Sprichwort: „Die Waalerschell hell erklingt, solang das Wasser rinnt. Und bleibt das Wasser einmal aus, muss der Waaler aus dem Haus.“. Auch Äste und Laub stellen ein Problem für den Fluss des Wassers dar und Überschwemmungen nach Gewittern machen die Wartung sehr aufwändig. Deshalb wurden in den 20er Jahren viele Waale durch Rohrleitungssysteme ersetzt. Heute leiten noch einige wenige Bauern das Wasser aus den Waalen ab. Damit bewässern sie meist die Felder und Kastanienhaine, die Obstplantagen werden heute alle durch modernere Bewässerungsanlagen mit Wasser beliefert. Deshalb dienen die Waalwege heutzutage vor allem den Einheimischen und Urlaubern für einen entspannten Spaziergang durch die atemberaubende Natur, in welcher Sie spannende Einblicke in die Flora und Fauna erhalten und bei genaueren beobachten auch das ein oder andere Tier zu Gesicht bekommen.

brandiswaalwegDie meisten Waalwege sind zu allen Jahreszeiten begehbar, wobei sich Frühjahr und Herbst durch die angenehmen Temperaturen besonders empfehlen lassen. Im Frühjahr werden Sie Zeuge der einzigarten Apfelblüte und im Herbst können Sie die Apfelernte mitverfolgen, da die meisten Waalwege direkt an den Apfelwiesen vorbei führen. Auch im Winter sind die meisten Waalwege begehbar. Zu dieser Zeit erhalten Sie einen Ausblick über die idyllische Winterlandschaft des schönen Südtirols. Allerdings führen die Waale in der Winterzeit kein Wasser. Durch die geringe Steigung sind die Waalwege auch für Familien das optimale Ausflugsziel. Da jeder Besucher in den Genuss der einheimischen Flora und Fauna kommt, sind die Waalwege Südtirols für Groß und Klein sehr spannend, eindrucksvoll und ein absolutes Muss!

Algunder Waalweg